SAN PEDRO DE ATACAMA

Am 11. September landen wir in Calama und treten in einem Shuttlebus die fast zweistündige Fahrt nach San Pedro de Atacama an. Wir sind abermals begeistert von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Chilenen – wir fühlen uns durch die andauernde Gastfreundschaft sehr willkommen.

In null-komma-nix sind wir in der Wüste und die Landschaft erinnert uns stark an Ägypten, nur dass hier kein bischen Müll zu finden ist. Alles was wir bis jetzt von Chiles Landschaft gesehen haben ist ausgesprochen sauber.

Das gebuchte AirBnB ist spartanisch ausgestattet. Wir haben ein Zimmer mit Doppelbett, aber keinerlei sonstigem Schnickschnack. Um zu dem Gemeinschaftsbad zu gelangen müssen wir ein paar Meter im Hof unter freiem Himmel zurücklegen. Die Küche ist winzig und hat gerade eben das allernötigste um sich selbst Speisen zubereiten zu können. Aber das wichtigste: Alles ist sauber, und das ist was zählt. Nur der Preis steigt uns sauer auf. Für umgerechnet 40€ die Nacht wird nicht gerade viel geboten.

Die Preise in San Pedro sind auch sonst Wucher und die einheimischen Geschäftsleute melken die endlosen Touristenströme wo es nur geht.

Der kleine, sympatisch-herzige Ort ist voll von Expeditionsanbietern und nach unserer Ankunft bemerken wir scherzhaft, dass es hier wohl mehr Tourguides als Touristen geben muss. Wir durchforsten Tripadvisor nach den besten Anbietern um nicht von Trittbrettfahrern übers Ohr gehauen zu werden und werden schnell fündig. “You pay what you get“ ist die Devise und bei den Gesprächen sagt uns schon unser Gefühl, dass manche Versprechungen zu schön sind um wahr zu sein.

Wir buchen drei Touren bei den Anbietern unseres Vertrauens und haben somit schon ein straffes Programm für die kommenden Tage.

Um das Budgetdefizit wieder auszugleichen sparen wir uns das Geld vom Mund ab und kochen Nudeln mit etwas Gemüse auf Vorrat und wir sind froh, endlich wiedermal kein Fleisch zu essen. Die köstlichen Avocados erleichtern uns die Selbstversorgung ungemein, aber trotz der Bemühungen stagniert das kalkulierte Budgetdefizit anstatt kleiner zu werden. San Pedro ist einfach zu teuer und uns bleibt wohl nichts anderes übrig als das wir bald die Weiterfahrt Richtung Bolivien antreten.

Die Atacama Wüste ist einer der besten Orte auf der ganzen Welt um die Sterne zu beobachten. Einerseit liegt der Ort mit ca 2500 Metern sehr hoch und die Athmosphäre, die die Lichtqualität beeinträchtigt, ist relativ dünn. Zudem ist die Atacamawüste einer der trockensten Orte überhaupt und die nicht existierende Luftfeuchtigkeit ermöglicht wolkenfreien Sternengenuß. Weiters sind weit und breit, außer zwei kleinen Dörfern, keine Städte in der Umgebung, welche mit ihrem Licht den Abendhimmel verschmutzen. 

Nicht zuletzt deshalb liegt hier in der Gegend auf 5000 Metern das ALMA Observatory – eines der größten Teleskope der Welt. 

Wir könnten heulen, als wir bereits im Mai keine der gratis Eintrittskarten mehr für September ergattern. Die Besuchertermine sind bis Dezember ausgebucht und selbst die Warteschlangenplätze sind voll.

Wir finden uns mit dem Schicksal ab, schließlich kann man an diesem Ort auch mit freiem Auge mehr Sterne sehen als sonst irgendwo und wir beschließen uns von einem der vielen „stargazing“ Anbietern mitten ins Nirgendwo kutschieren zu lassen, um diesen einzigartigen Sternenhimmel zu bewundern… und dann kam die Enttäuschung: Wir haben Vollmond! Die Helligkeit des Vollmondes liegt während unserer Anwesenheit zwischen 96 und 100 Prozent und nimmt erst nach der Weiterfahrt wieder ab.

Universum, willst du uns verarschen?

Nur über unsere Augen – wir ziehen das jetzt durch. Man ist wahrscheinlich nur 1 Mal in der Atacamawüste und das muss jetzt einfach sein.

Die Tour entpuppt sich dennoch als Erfolg. Die Guides verfügen über ausgezeichnete Kenntnisse und solide Teleskope mit denen wir zumindest unseren Mond, sowie Jupiter und Saturn mit ihren Monden bestaunen dürfen.

Gesättigt mit Wein und Snacks fallen wir müde in unser Bett.

Ach ja, da war ja was:

Man liest es ja oft und eigentlich weis es Jeder: In der Wüste ist es am Tag heiß und in der Nacht kalt, bla bla bla. Aber so wirklich begreifen kann man diesen Sachverhalt erst, wenn man ihm selbst ausgeliefert ist. Oder wir haben das zumindest erst in unserer ersten Nacht am eigenen Leibe erfahren müssen um es zu verstehen. 

Wir wurden durch eine Eiseskälte geweckt, welche uns in der Nacht überrascht hat. Trotz der vier Decken, die uns zur Verfügung gestellt wurden, waren die Temperaturen der Nacht erst auszuhalten nachdem wir dicke Socken, Schal und Sturmmaske angezogen hatten. Die Zimmer sind mit keinen Heizkörpern ausgestattet und wir fragen uns ob wir das noch 4 mal durchhalten. Wirklich erholsam war diese Nacht jedenfalls nicht.

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